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silvio nitzsche 3Mehr Raum für die Sinne

von Silvio Nitzsche
Sommelier

Obgleich man mir nachsagt, dass ich es verstehe, mittels Worten Menschen von Weinen zu begeistern, wusste ich nach „der Dunkelheit“, dass ich meine Gäste zwar mit Wein und Worte erfreuen kann, aber niemals in einer derart persönlichen, sinnlichen Art und Weise wie ich das in der Dunkelheit vermag.

Seit ich die Seminare im Sensorium mitgestalten, leiten und moderieren darf, habe ich unendlich viel über Sinnlichkeit, Harmonie und nicht zuletzt über mich im Umgang mit Wein gelernt.

In keiner anderen Seminarsituation ist man gezwungen, derart sensibel auf Teilnehmer einzugehen: Von jetzt auf gleich nimmt man ihnen 70 % ihrer Wahrnehmung und bittet sie, sich einfach fallen, sich auf die übrigen Sinne einzulassen, um diesen eigentlich unbehaglichen Zustand, letztlich doch zu genießen.

Viele Erfahrungen daraus konnte ich dankbar mit in die lichte Welt nehmen und verwerten. Ich habe gelernt, mich noch intensiver auf das Wesentliche im Wein zu konzentrieren und mich nicht durch visuelle Reize ablenken zu lassen. Dank der Dunkelheit sind meine Weinbeschreibungen plastischer und phantasievoller geworden. Denn ob verständnisvolles Nicken oder hochgezogene, kritische Augenbrauen, all das existiert schlicht nicht.

Mit meinen Teilnehmern bin ich einfach losgelöst von Zwängen, Räumen und Zeiten. Kurzum, für mich gibt es kein tiefgründigeres Wein-Erleben als die Blindprobe.


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